|
|
|
Inhalt:
Allgemein
Ehernen Karateregeln
Gichin Funakoshi
Karate in Japan
Es gibt keinen ersten Angriff
Karate
wird heute unter drei Gesichtspunkten betrieben: als
Selbstverteidigung,
als Sport
und als Weg zur
körperlichen und geistigen Meisterung des Ichs. Das
zeigt uns schon, dass das wahre Wesen des
Karate
weit tiefer liegt, als nur etwa darin, sich verteidigen
zu können. Karate ist, wenn es ernst genommen und
verantwortungsbewusst betrieben wird, ein
Erziehungsmittel aller ersten Ranges im Sinne des
Leitspruches: Oberstes Ziel in der Kunst des Karate
ist weder Sieg noch Niederlage – der wahre Karatekämpfer
erstrebt die Vervollkommnung seines Charakters. Karate
als Selbstverteidigung hat die älteste Geschichte. Es
wurzelt in dem chinesischen Boxen Chu'an-fa (Kungfu)
oder Kempo, das noch heute in China ausgeübt wird und
auf eine etwa 2000jährige Geschichte zurückblicken kann.
Etwa ab 1600 entwickelte sich auf der Insel Okinawa, die
schon immer mit China und Japan in Kontakt stand, eine
Kampfkunst, die Okinawa-te (Okinawa-Hände) genannt
wurde. Diese Kampfkunst war eine Kombination des von
chinesischen Soldaten importierten Kempo mit einer
eingeborenen Kampfkunst. Als in der Folgezeit durch
politische Umschichtungen den Einwohnern von Okinawa
jeglicher Waffenbesitz verboten wurde, nahm Okinawa-te
einen ungeheueren Aufschwung. Bis in unsere Zeit hinein
wurde diese Kunst aber geheimgehalten und es existieren
auch (im Gegensatz zum chinesischen Kempo) keine
geschichtlichen Aufzeichnungen oder gar Bücher über das
alte Okinawa-te.
Der Mann, dessen Verdienst
es ist, Okinawa-te zum heutigen, weltbekannten Karate
entwickelt zu haben, ist Gichin Funakoshi, ein Einwohner
Okinawas. Er unternahm Reisen nach Japan, wo die alten
Kriegskünste eine große Renaissance erlebten –
Entwicklung des Jiu-Jitsu zum Judo, das japanische
Fechten – Kendo – usw.. Mit seinen Demonstrationen (1917
– 1922) errang er große Erfolge und wurde ermuntert,
seine Kunst in Japan zu lehren. Er reiste im Land umher,
gab Unterricht und Vorführungen. Viele große
Universitäten baten ihn, ihnen beim Aufbau von
Karategruppen zu helfen. Es war etwa um 1900, als auf
Okinawa der Wert der Kampfkunst Okinawa-te für die
Erziehung erkannt wurde und diese Kunst an den
Mittelschulen eingeführt wurde. Damals wurde zum ersten
Mal der Name Karate anstelle von Okinawa-te
gewählt. Dabei bedeutet das erste Schriftzeichen (Kara)
China, so dass die damalige Übersetzung etwa „Kunst aus
China“ bedeutete. Meister Funakoshi hielt sich in der
Folgezeit nur in Japan auf. Er systematisierte das
Karate unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten, ähnlich
wie der japanische Gelehrte J. Kano das alte Jiu-Jitsu
zum Judo entwickelte, und ermöglichte es auch später,
das im Karate gefahrlose Wettkämpfe abgehalten
werden konnten. In der Zeit, als Funakoshi nach Japan
kam, wurden die japanischen Kampfkünste Jiu-Jitsu (Judo)
und Kendo (Schwertfechten) viel geübt. Karate
übernahm bald viele Elemente dieser beiden Künste, und
damit war der Grundstein gelegt für die Entwicklung zur
modernen Form des japanischen Karate.
Später änderte Funakoshi
den Namen seiner nun neuen Kampfkunst von „China-Hände“
(= „leere Hände“). Das Schriftzeichen für „leer“ oder
„unbewaffnet“ wird auch „Kara“ gelesen, das
Schriftzeichen für „Hand“ oder „Hände“ blieb. Als das
Karate in Japan einen so großen Aufschwung erlebte,
kamen bald noch andere Karatemeister von Okinawa und von
China nach Japan, um Unterricht zu geben. Es
entwickelten sich dann in der Folgezeit in Japan eine
Menge anderer Karate-Systeme, die zwar in der Technik
oft voneinander abweichen, in ihrem Wesen aber gleich
sind. Die heute bekanntesten sind: Wado-Ryu, Gojuy-Tyu
und Shito.Ryu (Tyu = Schule).
Der Name von Gichin
Funakoshi geschaffenen Karatestils ist Shotokan, der
bekannteste und verbreiteste Stil inner- und außerhalb
Japans. Funakoshi wählte diesen Namen nach dem Namen des
Gebäudes, in dem er in Tokio unterrichtete, um sein
Karate-System von den anderen inzwischen entstandenen zu
unterscheiden. Gichin Funakoshi, der Vater des modernen
Karate starb im April 1957 im Alter von 88
Jahren. Im Oktober 1964 schlossen sich auf Betreiben der
Regierung die größten japanischen Karate-Verbände (Japan
Karate Association = JHK – Shotokan -, Wado-Ryu,
Shito-Ryu, Goju-Ryu) und einige andere zur sogenannten „All-Japan-Karate-do
Föderation“ zusammen. Das ist aber bis heute nur ein
Name. Jeder einzelne Verband arbeitet noch für sich,
trägt seinen eigenen Namen wieder und hält eigene
Meisterschaften ab. Es bleibt abzuwarten, inwieweit sich
die einzelnen japanischen Verbände über die
Eigenbestrebungen hinwegsetzen können, um zu einer
wirklichen Einigung zu kommen, was im Interesse aller
Karateka sehr zu begrüßen wäre.
Die 20 ehernen
Karateregeln:
-
Karate-Do beginnt mit
Respekt und endet mit Respekt.
-
Im Karate gibt es
keinen ersten Angriff.
-
Karate ist ein Helfer
der Gerechtigkeit.
-
Erkenne zuerst dich
selbst, dann den anderen.
-
Intuition ist
wichtiger als Technik.
-
Befreie deinen Geist.
-
Unglück geschieht
immer durch Unachtsamkeit.
-
Denke nicht, dass
Karate nur im Dojo stattfindet.
-
Karate üben heisst,
ein Leben lang arbeiten. Darin gibt es keine
Grenzen.
-
Verbinde dein
alltägliches Leben mit Karate, dann wirst du
geistige Reife erlangen.
-
Karate ist wie heisses
Wasser, das abkühlt, wenn du es nicht ständig warm
hältst.
-
Denke nicht ans
Gewinnen, doch denke darüber nach, wie man nicht
verliert.
-
Verändere ständig
deine Verteidigung gegenüber deinen Feinden.
-
Der Kampf wird von
deiner Fähigkeit bestimmt, mit Kyo (unbewacht) und
Jitsu (bewacht) umzugehen.
-
Stell dir deine Hand
und deinen Fuss als Schwert vor.
-
Wenn du den Ort
verlässt, an dem du zu Hause bist, machst du dir
viele Feinde.
-
Die Haltung des
Anfängers muss frei sein von eigenen Urteilen, damit
er später ein natürliches Verständnis gewinnt.
-
Die Kata darf nicht
verändert werden, im Kampf jedoch gilt das
Gegenteil.
-
Hart und weich,
Spannung und Entspannung, langsam und schnell –
alles verbunden durch die rechte Atmung.
-
Lebe diese
Vorschriften jeden Tag.
Japan, 1955 von
Meister Gishin Funakoshi
Gichin
Funakoshi oder Der Vater des japanischen Karate
Sein
Leitsatz:
Das höchste Ziel im Karate-Do ist nicht der Sieg oder die
Niederlage, sondern die Perfektion des menschlichen
Charakters”
Gichin Funakoshi wurde 1869
als einziger Sohn einer privilegierten Samurai-Familie im
Yamakawa Cho Bezirk auf Okinawa geboren. Sein Vater war ein
Experte im Stockkampf. Die Kindheit verbrachte Funakoshi bei
einem bekannten konfuzianischem Gelehrten, seinem Großvater
Gifu. Bereits in dieser Zeit begegnete er dem Meister Azato
Anko, einem inneren Schüler (Uchi Deshi) der Matsumura-Linie.
Bei ihm begann er mit dem Unterricht des Karate. Dies wurde
in diesen Jahren im Geheimen ausgeübt, und so mußte Gichin
Funakoshi oft die Nacht für seine Ausbildung nutzen. Das
stark national/ideologisch geprägte Karate-Training bestand
zu dieser Zeit in erster Linie aus Wiederholungen von
Grundtechniken und Kata.
1888 wurde er Hilfslehrer an der Schule in Shuri, 1891 wurde
er zum Hauptschullehrer befördert und nach Naha versetzt.
Hier setzte er sein Training mit den Meistern Higashionna
und Aragaki fort. Im Verlaufe der politischen Entspannungen
zwischen Okinawa und Japan begannen sich immer mehr
japanische Persönlichkeiten für Karate zu interessieren, es
zu fördern und zu versuchen, die okinawaischen Geheimnisse
zu lüften. Schließlich wurde Karate gegen 1902 als Teil des
Lehrplans an den okinawaischen Schulen eingeführt.
Auch in Japan war der Einfluss der Politik maßgeblich für
die Entwicklung des Karate. Um die Jahrhundertwende erlebte
Japan die Neugeburt des japanischen Imperialismus und der
militärischen Macht.
Schon bald wurde die Faszination der Kampfkünste auf das
Volk erkannt, und so konnte nicht ausbleiben, dass Karate
stark von der japanischen Politik beeinflusst wurde.
Für den Mai 1922 plante das japanische Bildungsministerium
die erste "All Japan Athletic Exhibition of Ochanomizu" in
Tokyo. In dem Bemühen, in dieser Veranstaltung so umfassend
wie möglich über die Kampfkünste zu informieren, entschied
das Ministerium, auch Karate vorzustellen.
Karate in Japan
Der Einladung Japans an die
Vereinigung der Kampfkünste Okinawas, ihr System in Japan zu
demonstrieren, sollte zunächst Choki Motubo folgen. Da
dieser wegen seiner Haltung gegenüber den japanischen
Besatzern Probleme machte, entschied man sich schließlich,
Gichin Funakoshi nach Japan zu entsenden.
Obwohl man ihm feinen
Charakter und hervorragende Bildung nachsagt, hatte er
weniger Hemmungen als Choki Motubo, den Japanern die
Geheimnisse um das alte Tode (Karate) Okinawas zu verraten.
Er erfüllte damit einen mehr als dreihundertjährigen Wunsch
der Japaner.
Die politischen Verhältnisse
bestimmten das weitere Vorgehen, und schon nach wenigen
Jahren hatten die okinawaischen Meister jegliche Kontrolle
über ihre Kampfkunst an die Japaner verloren.
Für Gichin Funakoshi - es war
eine Woche Aufenthalt geplant - war es eine Reise ohne
Wiederkehr. Die sandigen Strände Okinawas bekam er
zeitlebens nicht mehr zu Gesicht. In seinem freiwilligen
Asyl widmete sich der damals 53jährige Meister den Rest
seines Lebens der Verbreitung seiner Auffassung von Karate.
Als Funakoshi an einem
sonnigen Morgen im Mai 1922 in Japan aus dem Schiff stieg,
waren die zum Empfang anwesenden japanischen
Kampfkunstexperten ein wenig verwirrt: Dieser sanftäugige,
kleine Mann in seinem zerknitterten Anzug sollte Funakoshi
sein? War es möglich, dass dieser winzige Mann mit dem
Schnauzbärtchen und kaum 60 kg Gewicht der mächtige Budoka
war, den sie erwarteten? Es war wahr!
Es gibt keinen ersten Angriff
im Karate
Funakoshi blieb in Japan und
gründete 1936 sein eigenes Dojo, den Shotokan. Mit seinem
hohen moralischen Anspruch an die Kampfkünste im allgemeinen
und Karate im besonderen schuf er eine neue Kultur des Budo,
des "Wegs der Kampfkunst". Wie die meisten Budo-Experten
blieb auch Gichin Funakoshi bis ins hohe Alter aktiv. Er
unterrichtete, und - obwohl er sich auch mit dem politischen
Hintergrund der Kampfkunst beschäftigte - blieb er doch
zeitlebens ein Idealist. Eine seiner wichtigsten Maximen
lautete: "Es gibt keinen ersten Angriff im Karate". Ein
Satz, der auch auf seinem Grabstein zu lesen ist.
|