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Freistil

Freistil ist keine in sich abgeschlossene Kampfkunst, sondern vielmehr eine Variante des Praxis orientierten Trainings, die sich Techniken verschiedener Stile bedient. Frei nach dem Motto: „Was funktioniert, wird trainiert!“

Hierbei wird zwischen zwei Stufen der Aggression bzw. dem Angriff einem Menschen gegenüber unterschieden, wobei das Prinzip der Verteidigung gleich bleibt.

Stufe I des Angriffes ist immer dann gegeben, wenn der Aggressor nicht weiß, dass auf seinen Angriff eine schnelle und kompromisslose Verteidigungsreaktion erfolgen wird. Hier bedient man sich im Freistil des Überraschungsmomentes, welcher keinesfalls zu unterschätzen ist und dem Verteidiger auch gegen körperlich weit überlegene Angreifer einen immensen Vorteil verschaffen kann.

Stufe II ist gegeben, wenn der Aggressor weiß, was ihn erwartet und er somit seinen Angriff ungleich vorsichtiger ausführen wird. Dies kann bedeuten, dass er anstelle eines einzigen Schlages eine Kombination schlägt, Finten einbaut, seinerseits auf einen Angriff wartet oder aber schlimmsten Falls sich in irgendeiner Form bewaffnet.

Egal in welcher Stufe des Angriffes man sich als Verteidiger befindet, das Ziel bleibt gleich: das Hervorrufen der Angriffsunfähigkeit des Aggressors!

Dies kann situationsabhängig bedeuten, dass man den Aggressor k.o. schlägt; ihn dermaßen mit Schlägen eindeckt, dass er freiwillig zu Boden geht und von weiteren Angriffen absieht; man mit einem Hebel oder Würgegriff den Aggressor fixiert und wartet, bis die Polizei eintrifft oder andere Hilfe kommt oder aber man sich nach der ersten Verteidigungsreaktion schleunigst vom Ort des Geschehens entfernt und umgehend die Polizei verständigt.

Heldentum wird im Freistil nicht vermittelt!

Durch das Freistil-Training wird man nicht unbesiegbar, kann aber lernen, Gefahren frühzeitig zu erkennen und im erforderlichen Maße darauf zu reagieren.
Es darf nicht vergessen werden, dass es in einer reellen Situation keine Kampfrichter oder Trainer gibt, die dem Kampf Einhalt gebieten oder einem mit Rat und Tat zur Seite stehen. In einer reellen Notsituation geht es einzig und allein darum, möglichst unversehrt aus der Sache heraus zu kommen und nicht einen Kampf unnötig in die Länge zu ziehen, bzw. sich mit Techniken zu verkünsteln.

Im Freistil werden Techniken für alle Kampfdistanzen trainiert, um in einer reellen Bedrohungssituation der vorherrschenden Distanz entsprechend reagieren zu können.

Das Techniktraining für die 1.Distanz umfasst Boxschläge und Kicks (bis maximal eigene Brusthöhe), wobei die Reaktion auf einen Angriff in erster Linie aus dem Erkennen durch das Auge erfolgt und nur in geringem Maße durch die Kontaktaufnahme über die Arme oder andere Extremitäten.

Die 2. Distanz umfasst als Verteidigungsreaktion in erster Linie den Einsatz von Kettenfauststößen, Haken, Ellbogenschlägen, Knie- und Kopfstößen. Aber auch einfache Hebel, sowie Würfe und Würgegriffe.
Da in dieser Distanz nicht genug Zeit bleibt, das mit dem Auge Wahrgenommene zu verarbeiten und entsprechend schnell darauf zu reagieren, basiert die Anwendung der genannten Techniken auf einer Reflexschulung, sowie der Weiterentwicklung des Tastsinns.

Die 3. Distanz ist gleich bedeutend mit dem Bodenkampf und es werden dieselben Techniken wie in der 2. Distanz trainiert. Bei der Anwendung von Hebeln wird darauf geachtet, dass man von diesen absieht, wenn sie nicht sofort den gewünschten Erfolg herbeiführen.

Das Trainieren von Formen oder ähnlichem wird überhaupt nicht berücksichtigt und das Hauptaugenmerk liegt für alle Übungen beim Partnertraining, weil nur so die erforderlichen Eigenschaften zum Überstehen eines reellen Angriffes bestmöglich trainiert werden.

Weitere Bestandteile des Trainings sind das freie Kämpfen ohne Regeln und das Schlagtraining gegen Schlagpolster bzw. den Sandsack, sowie das Trainieren in normaler Straßenkleidung.

Das Freistil-Training ist den Bedingungen der sozialen Gesellschaft in der wir leben so gut es geht angepasst. Dies bedeutet, dass auf Grund der fehlenden Zeit keine hunderte von Techniken und hoch komplizierte Bewegungsformen und -abläufe trainiert werden. Es wird auf allen Distanzen eine gesunde Basis antrainiert, die es mit der Zeit zu verfeinern gilt. Dies setzt voraus, dass die Trainierenden nicht ständig etwas Neues sehen und üben möchten! Eine gesunde Basis an Techniken und Bewegungsabläufen, die instinktiv und reflexartig ausgeführt werden kann, ist das Maß aller Dinge!

Im Freistil-Training wird auch darauf hingewiesen, dass Selbstschutz nicht erst bei oder kurz vor einer körperlichen Auseinandersetzung beginnt, sondern schon sehr viel früher. Hierzu werden Verhaltensregeln angesprochen und es wird versucht, anhand authentischer Beispiele den Trainierenden mögliche Lösungswege aufzuzeigen.


Voraussetzungen und Verhaltensregeln für die Teilnahme am Freistil-Training, sowie Ausschließungsgründe aus dem Freistil-Training

  • Am Training kann unabhängig von Alter, Größe, Gewicht oder Geschlecht interessierter Personen grundsätzlich jeder teilnehmen.

  • Ist eine interessierte Person dem Übungsleiter nicht persönlich bekannt, so bedarf es im Einzelfall der Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses. Bei entsprechenden Einträgen (insbesondere wegen Gewaltdelikten) kann die Teilnahme am Training schon im Vorwege verweigert werden.

  • Sollte eine bereits trainierende Person im Nachhinein wegen eines Gewaltdeliktes polizeilich in Erscheinung treten oder eine Gewalttat oder eine andere strafrechtlich relevante Handlung begehen, so kann die weitere Teilnahme am Training für die betreffende Person untersagt werden.

  • Den Trainingspartnern ist der gebührende Respekt entgegen zu bringen und auf höflichen Umgang untereinander ist zu achten. Bei Nichtbeachten kann die weitere Teilnahme am Training untersagt werden.

  • Personen, die lediglich daran interessiert sind, das Erlernte in moralisch oder strafrechtlich bedenklicher Art und Weise einzusetzen oder sonst irgendwie Kapital daraus zu schlagen, können vom Training ausgeschlossen werden.

  • Der Übungsleiter, sowie die Trainingspartner sind vor oder während des Trainings, insbesondere beim Freikampftraining, auf eventuell bestehende Verletzungen oder körperliche Einschränkungen hinzuweisen, damit diese die Intensität der angewandten Techniken entsprechend steuern können.
     

Alles oben Niedergeschriebene ist nicht abschließend!

Sertan Şen

 

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